Manchmal.
Manchmal.
Manchmal sitz ich an meinem Laptop und weine los. Einfach so. Ganz oft, wenn ich die Bilder eines Kindergartens bearbeite, wenn ich die Kleinen vor mir sehe. Auch, wenn ich im Album meiner ersten Lebensjahre oder der, meiner Kinder blättere. Kindheit berührt mich ungemein; so, wie nichts anderes. Ich kann mich davon nicht frei machen, nicht distanzieren. Ich kann hierbei nicht NICHT fühlen. Es ist, wie wenn meine Seele aufgehen würde, wie eine Offenbarung. Wie sehen lernen aber mit ohne Augen (ZwINKER).
Kinder fotografisch begleiten zu dürfen ist unfassbar großartig und dabei absolut roh und ungeschönt. Die Momente sind eben da und in jedem einzelnen davon liegt die Vollkommenheit.
“We rush children through childhood like there‘s somewhere better to be. There isn’t.. This is it.” - Unknown
Unsere Kinder haben heute so viel. So viel von allem. Sie wachsen mit mehr auf, als je zuvor. Und doch mit so viel weniger.
Vielleicht benötigen unsere Kinder gar nicht mehr Erlebnisse, so viel mehr an Dingen und Zerstreuung. Vielleicht brauchen sie nicht noch mehr zu tun, mit weiteren Anweisungen. Vielleicht genügt etwas ganz anderes.
Weniger Hektik und mehr Ruhe. Zeit und Verbundenheit mit uns und mit Tieren. Nah beieinander zu sitzen, gemeinsam zu beobachten, miteinander zu reden und dabei genau zuzuhören. Raum haben zur freien Entfaltung. Ein einfaches Leben mit Abenteuern, spielen in der Natur, pur und barfuss sein, aber auch mit Langeweile und Müßiggang. Die Zeit vergeht langsamer, wenn man ganz im Augenblick aufgehen darf. Kinder werden mitunter zu dem, was sie vorgelebt bekommen. Lasst uns ihnen nicht sagen, wie sie zu sein haben.
Die Welt bietet sich unserer Fantasie an. Jeden Tag. Deshalb versuche ich immer aufmerksam zu sein, denn: das Leben ist schön!
Manchmal. Manchmal tut es mir weh, wie wenig wir, ich, davon tatsächlich noch sehe, bereit und fähig bin, richtig hinzuschauen. Wir lassen uns blenden und mitreißen von einem ständigen Optimierungswahn - größer, schneller, höher. Doch: im Kleinen, im Einfachen, da liegt das Glück und jedes Kind weiß das, - oder gerade auch nicht und ist somit völlig frei davon. Und so schließt sich mein Gedankenkreis, bei unseren Kindern, die für mich das Größte sind. Einfach so. Weil sie sind, wer sie sind.
Deshalb mache ich jedes einzelne Bild, always carry a camera. Weil unsere Kinder nie wieder so klein sein werden. Weil jeder einzelne Augenblick davon bedeutsam ist und ich ihn unbedingt festhalten mag. Da jede Aufnahme, jedes Hinschauen, meinem Blick auf unser Leben verändert. Ich möcht meinen Kindern zeigen wie es wirklich war, damals. Weil sich Erinnerungen anders anfühlen, wenn sie nicht (für andere) inszeniert wurden.
Das geht nicht in einem Minishooting, 20 Minuten, 10 Bilder im Sonnenuntergang. Dafür reicht es nicht aus die Taufe, das Familienfest, den Geburtstag und den Weihnachtsbaum zu fotografieren. Das beruhigt, weil wir die Bilder haben machen lassen, oder selbst gemacht haben. Aber es fehlt etwas Wesentliches, nämlich IHR. Euer wahrhaftiges „IHR“. Das Kuscheln am Morgen, das Toben, die Geschichte am Abend. Der Gutenachtkuss. Immer auf die Stirn, ganz links. Die Knete am Bett und der so durchgeknuddelte Stoffhase darin. Kleine Hände in Deinem Haar, die Locke um den Finger gedreht. Der Lieblingsbecher, der olle mit dem Sprung. Es ist das Loch im Pulli, der eigentlich nicht mehr passt und das Lachen bis zu den Ohren. Und darüber hinaus. Es ist der Streit und das Vertragen, das Halten und Wiegen. Das nassgeweinte Gesichtchen in Deinen tröstenden Armen. Das Winken beim Gehen. Es sind genau diese Momente. So flüchtig und wertvoll.
Damit Du siehst wer Ihr wart und nicht (nur) wie Ihr ausgesehen habt, dass Du fühltest und wie Du es fühltest, Bilder hast, die zeigen was ist und was war, solche, die Dein Herz berühren, braucht es Zeit und Alltägliches. Dass man sich von Erwartungen frei macht, darauf ein- und loslässt, (das ist soooo schwer, puh, ich weiß das), es annehmen kann und vertraut. Weil Eure Geschichte wertvoll ist. Und dann wird es gut. Und richtig. Richtig gut. Dann wird es zu etwas, das bleibt. Dann fühlt es sich an wie zu Hause, wie heimkommen. Wie Ihr und Euer Leben.
Weil später auch mal schnell zu nie werden kann, mach’s jetzt.
Schreib mir. Ich freu mich so auf Dich!