Ist es Einfach? Mein Leben?

Mein einfaches Leben.

Ich höre es oft: wie schön es doch ist, so leicht- in meiner Bullerbü-Welt. Meine Fotografie auch dadurch so ausdrucksstark. Tatsächlich?

Maries des Brebis „Der reiche Klang des einfachen Lebens“. Der Titel meines liebsten Buches (ich dank Dir für immer M., dass Du es mir geschenkt hast!) rührt etwas in mir an, von dem ich nicht genau weiß, wann das begann. 

Eine Sehnsucht, eine Intuition, möglicherweise meine eigene Spur, deren ich unermüdlich folge. 

Ein Mädchen, geboren zwischen Schafen. Fortan ein mitunter hartes Leben in und mit der Natur. Ihr Vertrauen auf das Gute in dieser Welt ist unerschütterlich. Sie empfindet eine tiefe Dankbarkeit für die kleinen Freuden im Leben. Die Tiere, die Verbindung mit allem was sie umgibt.

Ich denke oft an meine Kindheit und Jugend zurück und daran, dass mir nie jemand gesagt hat, wie herrlich das Leben wirklich sein kann, wie wundervoll wir es gestalten können. 

Es gab eine Zeit, ich war 9 oder 10, da konnt ich mir nichts Schöneres vorstellen als morgens bei meinen Großeltern mit dem Rauschen der Tannen aufzuwachen, deren Geschichten zu lauschen und dann im Hof die Haare in der Regenwassertonne zu waschen. Im Wald umherzustreifen, den Geruch von Erde und Laub sog ich auf. Draußen sein, so viel draußen sein. Wir schnitzten in Kirschbäumen, beobachteten Eidechsen, waren barfuß, aßen Walderdbeerchen und Bucheckern, kletterten auf Hügel, entdeckten und spielten und spielten. 

Kurz darauf gründete ich mit meiner besten Freundin einen Club zum Schutz der Robbenkinder. Denn, sie war mir bewusst, die andere Seite, das Leid. Dass es Menschen gibt, die Tieren so etwas antun, wollt uns zerreißen, wir glaubten es kaum. Ein Buch über Umweltschutz, wünschte ich mir früh. Den Geruch des Papiers, auf das es gedruckt war, den vergess ich nie. Stoffumschläge, recycelte Hefte, nachfüllbare Tintenpatronen, Second-Hand-Kleidung oder selbstgemacht, genäht, gebatikt und gestrickt. Die alte verbeulte Brotdose meines Opas. Der Wunsch auf einem Boot von Greenpeace einmal nur dabei zu sein, Protest, Druck auf Konzerne, Walfänger und Tierquäler stellen, Leben retten, - ich erinnere mich an so viel aus dieser Zeit, das mich antrieb die Natur zu schützen, freundlich zu ihr zu sein. Acht zu geben. Ich ahnte es bereits, sie ist lebensnotwendig, die Verbindung mit ihr essentiell, -when we lose contact with nature, we lose contact with each other“ -.  

Das soll keine „Früher-war-alles-besser“-Geschichte sein, kein „IchhabdieWeisheitmitLöffelngefressen“. Es ist nur so, dass die Summe all dessen mir unerschütterliches Vertrauen und auch innerern Friede gab (und das tut es noch immer). Etwas in mir kannte den Weg, wusste, wohin ich gehen soll. Rhythmus, Verbindung und Halt, das ist es was ich davon mitgenommen habe, was mich geformt und geprägt hat bis heute. 

Als ich zum ersten Mal Mutter wurde, verstärkte sich mein Wunsch nach einem einfachen Leben mit weniger Ablenkung. 


Rest in nature. Listen to music. Capture experiences. Smell flowers. Make art. Design your soul.


Morgenstunden, in denen ich es ruhiger angehen lasse sind rar. Doch sind sie da, dann will ich sie nutzen. Denn, auch wenn ich mich oft wie durch die Tage geprügelt fühle, darf das Leben kein Kreislauf aus Stress, Hast und endloser Leistung sein. Vielleicht haben wir nicht die Stille verloren, sondern das Wissen wofür sie da ist, dass sie uns schützt. Ich will mir meiner bewusst sein, nicht alle Tage überstürzen. Vielleicht gehe ich deshalb gern in den Garten. Rieche an Blumen. Flecht Kränze, pflanz ein. Schnapp mir die Hunde, auf zu den Hühnern (die, die ich nie haben wollte und jetzt so arg mag). Trinke mein warmes Wasser, Kaffee, weiß, dass wir alle Ruhe verdienen. Ich schaue nach oben. Beobachte Vögel, versuche wahrzunehmen. Zeichne es auf, das Trillern, Pfeifen und Flöten, schick es einer meiner liebsten Freundinnen, denn die, ja die weiß es genau. Und mich macht es glücklich, wenn ich es DANN auch hören kann, wer genau da grad singt, -kurz  bevor mich der Alltag mit all seiner Fracht, die Geschäftigkeit wieder gefangen nimmt. Diese kleinen Momente der Freude, des Innehalten und Staunens, der Verbundenheit - nicht als Belohnung für harte Arbeit, sondern als wesentliche Bestandteile eines erfüllten Lebens. Du bist hier um zu leben. So steht es in meinem Buch über die Rauhnächte - und so sollte es immer sein. 


Oder wie Robert Walser sagt: “Man passt dahin, wohin man sich sehnt."


Ich gehe in den Wald, nehme den schönsten Weg. Tu es einfach nur, weil es mich glücklich macht. Für einen Moment da bleiben, unerreichbar, fernab von allem. Verweilen. Rückzug, - denn ich brauche das Versprechen der Stille, die Begrenzung. Diese Daueroffenheit, das ständige Erleben, teilnehmen und verfügbar  sein, macht mich unruhig. Hier bin ich in meinem Tempo. Voller Möglichkeiten und Gedenken an all das Unglaubliche. Das Licht und die Stimmung darin erinnern mich an mich selbst, die Teile von mir, die mich die Welt hat vergessen lassen. Sehe und spüre all das Wunderbare. Hier bin ich immer lebendig in mir. Nachklang, - das ist wohl das Wort, das es am treffendsten beschreibt. Bemerke, dass zwischen dem, was war, und dem, was sein wird, nur ein Hauch von Luft liegen kann. 

Ich genieße den Wind, solange er weht. Auch deshalb trocknet meine Wäsche draußen, denn ich liebe den Geruch, die Anstrengung ist es mir wert. Auch das vergesse ich nie, genau wie den Duft der sonnenerwärmten Haut meiner Kinder, die so oft es nur geht dreckig und draußen sind. Es erfüllt mich mit Glück, ist so reich an Bedeutung und dabei so natürlich und schlicht. Ich glaube daran, dass die Dinge die du liebst, dich zu dem Menschen machen, der du letztendlich bist. Und auch, dass das Beste im Leben jenseits all dessen liegt, was uns vermeintlich fehlt und worüber wir uns deshalb schlecht fühlen sollen. Leise Morgenstunden, ausgedehnte Spaziergänge in der Natur, mit einem Apfel und einer dicken Scheibe Brot in der Hand, handgeschriebene Briefe, tiefgründige Gespräche, Musik, gerne auch laut und gerade dann, wenn mir zum Weinen zumute ist. Schlichtes (Land-)Leben, gemeinsame, selbstgekochte Mahlzeiten, lebendige Gärten mit Gemüse und Blumen, soooooo vielen Blumen. Vor allem aber Freundschaft und Häuser voll tiefer Liebe. Das ist Reichtum, den man mit nichts in der Welt, mit keinem Geld kaufen kann. Doch das ist auch Arbeit, Beschwernis. Und intensiv. Ist es eine Tendenz? Nein, es ist Erinnern. 

Die Zeit mag ticken, doch ich werde weiter versuchen das Leben zu führen, das mich lebendig fühlen lässt, genießen, bewahren, das, was ich hab. Unserem Dasein meine ganze Aufmerksamkeit schenken. Werde das Kommende nicht planen, bevor das Alte vergangen ist. Es geht mir hierbei nicht darum ein Leben frei von Schmerz, Auf und Ab’s, Herausforderungen und Konflikten zu erträumen. Ich möchte lernen, weiter und immer wieder, wie ich beides aushalten werde. Wildheit und Tiefe genauso wie Sanftmut und Freude. Und zu vertrauen, dass es gut geht, auch dann, wenn ich es nicht ertragen kann. Will meine einzige Wahrheit leben, auch wenn es wehtut, schwer ist. Ich weiß, dass die nur Sinn für mich ergeben muss. Du kannst mir nicht vorwerfen ich hätte es leicht, in meiner Bullerbü-Welt, denn meine Tage sind lang. Ich übernehme Verantwortung, schaffe bewusst ein Leben aus Gemeinsamkeit und Ganzheit für mich, für uns als Familie, lege den Wert auf das Fördern des Kerns unseres Wesens. Liebe vollständig. Weiß, dass unsere Kinder uns zu dieser, unserer Wirklichkeit geführt haben, und ich fühle mich reich beschenkt und geehrt, ihre wilde Welt als Mutter mit ihnen teilen zu dürfen. Bin kreativ und arbeite hart, für diesen erfüllenden Lebensstil, doch ohne Erwartung, auch und besonders an mir. Halte aus und zusammen, signalisiere Geduld, gebe Kraft, kultiviere Routinen. Nehme mir Zeit und vieles in Kauf. Heil meine Seele, werde weich und hüte mein Glück.

Es ist nicht leicht und nicht einfach, doch alles was gilt. Und: hier bleib ich sanft, doch unaufhaltsam.

All in! Mit allem was ich hab!

Wofür gehst du los? Erzähl es mir.

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Ein bisschen von mir.